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3. Februar 2016

Landwirtschaft 4.0 – geht das?

Stellv. Fraktionsvorsitzende Friedlinde Gurr-Hirsch MdL sieht enormes Potential

Die Digitalisierung und Automatisierung unseres Alltags macht auch vor der Landwirtschaft nicht Halt. „30 Prozent der Wertschöpfung bei Landmaschinen weltweit werden mit Software und Sensorik erzielt – dreimal so viel wie in der Automobilindustrie. Jeder vierte Serviceroboter auf der Welt wird an Landwirte verkauft. Darin liegt ein enormes wirtschaftliches Potential“, stellt die CDU-Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch fest. Aus diesem Grund wandte sich Friedlinde Gurr-Hirsch mit einem Berichtsantrag an die Landesregierung, um den Stand des Fortschritts auf diesem Gebiet in Baden-Württemberg zu erfassen und auf die Bedeutung des Themas hinzuweisen.

Unter dem Stichwort „Landwirtschaft 4.0“ werden alle Aktivitäten und Entwicklungen auf dem Gebiet der digitalen Landwirtschaft zusammengefasst. „Es ist erstaunlich, welche Leistungen möglich werden. Landwirte, Natur und Verbraucher können von den Innovationen profitieren, wenn Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Dünger effizienter eingesetzt und gewonnene Daten miteinander verknüpft werden. So kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um bis zu 95 Prozent verringert werden. Schließlich sinken dadurch Produktionskosten, Umweltbelastung und Verbraucherpreise - bei einer besseren Qualität der Produkte“, machte die CDU-Politikerin deutlich.

„Mir ist es insbesondere ein Anliegen, dass auch die kleinteilig strukturierte Landwirtschaft in Baden-Württemberg von der Entwicklung profitiert und nicht abgehängt wird. Klassischerweise ist es so, dass durch den technischen Fortschritt größere Betriebe begünstigt werden. Ich sehe aber in der Landwirtschaft 4.0 die Chance, dass auch kleine und mittlere Betriebe sich in der Zukunft behaupten können. Dazu wird es notwendig sein, die überbetriebliche Kooperation weiter zu intensivieren. Ich sehe bei den Maschinenringen ein großes Potential, auch für eine noch effizientere Nutzung der Maschinen durch die digitale Vernetzung und Datenauswertung. Schließlich werden durch die Digitalisierung auch weitere Flurneuordnungen notwendig, woraus sich neue Herausforderungen für die Vermessungs- und Flurneuordnungsämter ergeben“, erläuterte Friedlinde Gurr-Hirsch die komplexen Zusammenhänge der Thematik. Selbstverständlich müsse auch auf dem Gebiet der Aus- und Weiterbildung kräftig investiert werden: „Die Landwirtschaft ist ein anspruchsvolles Berufsfeld – unsere Landwirte müssen Kompetenzen auf technischem, betriebswirtschaftlichem und natürlich agrarwissenschaftlichem Gebiet erwerben und sich stetig weiterbilden“, erklärt die frühere Agrarstaatssekretärin.

Doch auch auf der Seite der Anbieter von digitalen Lösungen und Produkten sieht Friedlinde Gurr-Hirsch ein großes Entwicklungspotential:  „Ich freue mich besonders, dass es in Baden-Württemberg viele Forschungsprojekte auf dem Gebiet der digitalisierten Landwirtschaft gibt. In der Antwort der grün-roten Landesregierung habe ich jedoch die strategische Perspektive vermisst. In Nordrhein-Westfalen gibt es einen Forschungscluster, der das Thema Landwirtschaft 4.0 strategisch nach vorne bringen will, in Baden-Württemberg gibt es bislang nur Einzelprojekte. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch bei der Forschung und Entwicklung vernetzter vorgehen müssen. Außerdem bin ich überrascht, dass die Landesregierung das Potential der Digitalisierung in der Landwirtschaft auf dem Weltmarkt – und damit auch für Unternehmen aus dem Land – sehr schmallippig beschreibt. Die Beratungsgesellschaft Roland Berger sieht hier bis 2020 einen Weltmarkt von 4,5 Milliarden Euro, bei jährlichen Wachstumsraten von durchschnittlich 12 Prozent. Auch vor dem Hintergrund, dass die allermeisten Landwirte heute noch keine Datenmanagementsysteme nutzen, sehe ich ein riesiges Potential auf dem Gebiet“, schreibt Friedlinde Gurr-Hirsch.

Anlage: Berichtsantrag Drucksache 15/7861: Landwirtschaft 4.0 in Baden-Württemberg

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 2016-02-03 Landwirtschaft 4.0 (233 kB)