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09.03.2018

Frauen brauchen wirkliche Veränderungen, mehr Mut und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten

"Sind wir doch einmal ehrlich: Trotz gleicher und vielleicht sogar höherer Qualifikation als die männlichen Kollegen muss sich eine Frau oft genug immer noch sehr viel mehr beweisen. Die Frage 'Kann die das überhaupt?' steht zumindest unausgesprochen immer noch oft im Raum – bei Männern und bei Frauen."

"Das gilt draußen in den Unternehmen, das gilt im öffentlichen Dienst, das gilt auch bei uns hier im Parlament. Davon, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, müssen wir wegkommen. In den Vorständen der börsenorientierten deutschen Unternehmen kommt auf 13 Männer auch heute noch nur eine Frau. Nur gut ein Fünftel der deutschen Professuren sind mit Frauen besetzt, obwohl die Studentinnen mittlerweile in der Mehrheit sind.

Noch nicht einmal auf jedem zehnten Chefsessel in den 1 100 Rathäusern in Baden-Württemberg sitzt eine Bürgermeisterin. Schauen wir einmal in die landesbeteiligten Unternehmen – das hat Herr Kollege Deuschle vor ein paar Jahren abgefragt –: Von 1 193 Führungskräften sind es gerade mal 217 Frauen. Wir haben also auch da im Land selbst einen großen Nachholbedarf. Für mich ist klar: Frauen leisten im realen Leben nicht selten mehr als Männer. Denn sie sind es, die heute oft die Doppelbelastung zwischen Beruf und Familie zu stemmen haben. Sie sind es, die beim Chef häufig und härter um Anerkennung und um faire Bezahlung kämpfen müssen. Sie sind es, die im Zweifel auch wesentlich öfter die Anstrengungen der häuslichen Pflege stemmen und vieles mehr. Ja, es sind die Frauen, die den Laden zusammenhalten und am Laufen halten. Das ist die Wahrheit.

Wahr ist aber auch: Wir Frauen haben oft einen anderen Blick aufs Leben und auch einen anderen Blick auf uns selbst. Viele Frauen – übrigens auch immer mehr Männer – wollen ganz bewusst eine ausgewogene Balance zwischen Beruf und Familie. Andere entscheiden sich auch 2018 bewusst für die Familie und gegen bezahlte Arbeit. Sie bringen sich ein im Ehrenamt, in der Elternarbeit, in der Nachbarschaftshilfe, vielleicht auch in einem Kommunalparlament. Diese Arbeit ist unbezahlt, aber vor allem unbezahlbar. Auch diese Frauen verdienen unseren Respekt; auch ihre Entscheidung muss möglich bleiben.

Wir sollten gerade am Weltfrauentag auch ihre Leistungen für unser Miteinander, für unsere Gesellschaft wertschätzen. Wir sollten es niemandem erlauben, die selbstbestimmten Lebensentwürfe von Frauen gegeneinander auszuspielen. Das wäre sicherlich nicht das, was sich unsere Vorgängerinnen vor hundert Jahren erkämpft haben. Die Freiheit, sich selbst zu entscheiden, ist ein hohes Gut, und das ist auch etwas Gutes. Lassen Sie uns also nicht den Fehler machen, durch falsch verstandenen Gleichstellungseifer nun auch noch die Frauen in die Männerklischees von gestern zu zwingen."